car trailsAnreiseinformationen: ausgehend von Florenz oder Siena, den Wegweisungen Richtung Greve folgen und dann weiter nach Panzano; sobald Sie im Dorf von Panzano angekommen sind fahren Sie weiter Richtung Mercatale, dann achten Sie auf die Ausschilderungen der Landgüter.

Adresse – Klicken Sie auf den Standortpfeil/Buchstaben auf der Landkarte, um die Adresse abzulesen.

Eine charmante Neueinsteigerin im Blablawine-Team

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Vieri ed Elisa Tachis unterwegs nach Panzano

Sie heißt Elisa Tachis und sie ist die Tochter des Bruders von Giacomo, der berühmte Önologe. Ihre schönen grün-braunen Augen haben denselben eindringlichen und forschenden Blick wie ihr Onkel. Es sind Augen, die zuhören und verstehen können. Sie gefällt mir. Im Team von Blablawine wird sie die Übersetzerin für die deutsche Sprache sein.
Sie ist in Brüssel aufgewachsen, ihre Mutter ist „deutsch-teutonisch“ und ihr Vater kommt aus dem Piemont. Sie spricht fünf Sprachen fließend: Deutsch, Italienisch, Französisch, Englisch und Spanisch. Wow, für mich es schon schwierig genug mich auf Englisch zu verständigen. Ab sofort bewundere ich sie. Doch das ist lange noch nicht alles. Dieses Mal fahren wir mit zwei Autos, weil Raf nachmittags frühzeitig zurückkehren muss. Elisa fährt mit mir und erzählt während unserer Fahrt von ihren Reisen im irakischen Kurdistan und von den Trainingskursen, die sie in der Stadt Sulaymaniyah hält, unter den Kämpfern der Peshmerga. Doppel wow! „Es ist kein feindliches Land“, sagt sie „die Front ist weit weg und wir sind dort ruhig von einer biblischen Landschaft umgeben, was einst Mesopotamien war“. Eine Friedensoase im Herzen eines Krisengebiets. Oder ein Schein Irrealität inmitten der Realität. Die Entscheidung liegt bei Ihnen. „Wird wohl so sein, aber von hier aus gesehen sieht die Sache ganz anders aus“ denke ich.
Mit all dem, was letztens im Mittleren Osten passiert ist, ist die letzte Mission abgesagt worden. Doch sobald die Situation zur Normalität zurückkehrt, kann sie es kaum abwarten dort wieder hinzufahren. Mit den Einheimischen hat sie Freundschaftsbeziehungen aufgebaut und ihre neuen Kollegen und Freunde fangen an ihr zu fehlen.
Wir kommen in Panzano an und holen Nicola Bernini ab, unseren legendären Chianti Reiseführer. Wir fahren auf das Weingut Vallone di Cecione zu, das sich in der wundervollen goldenen Mulde befindet, die ihren Namen den üppigen Weizenfeldern im Sommer verdankt. Aber auch die Weine in dieser Gegend haben ein besonderes Prestige.

NICOLA BERNINI

PHONE: +39 333 9909167
MAIL: nicola_bernini@me.com
WEB: http://www.toscanadinico.com

Diese Tour ist dank der Freundschaft und Zusammenarbeit mit Nicola Bernini zustande gekommen. Er arbeitet als diplomierter Fremdenführer und Reiseleiter auf nationaler Ebene. Ihm verdanken wir die wohltuenden Emotionen, die wir auf dieser Tour erlebt haben.


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pointingHand_50x30Vallone di Cecione: ein wahrhaftig rustikales Weingut, wie ein Sprung in die Vergangenheit

Der Himmel ist tiefblau und äußerst ausdrucksvoll. Die Sonne strahlt mit all ihrer Kraft und es kommt uns vor, als sei es ein außergewöhnliches Naturereignis nach so vielen grauen und regnerischen Tagen, wie in England. Wir waren es nicht mehr gewohnt. Und so fängt die Welt wieder an zu strahlen, so wie auch die Reben, das Gras, die Blumen, die Dächer und sogar unsere Gesichter, trotz der winterlichen Blässe.

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Ausschilderungen Tuscan Style..

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Toskanische Weisheit: “Wer Wein trinkt lebt länger als der Arzt, der das Weintrinken verbietet“

Wir parken vor der Scheune und auf einmal fühle ich mich wieder wie ein Kind. Genauso wie damals in den siebziger Jahren, als ich meine Großeltern auf ihr kleines Landgut in Impruneta besuchen ging.

Der Kuhstall in unmittelbarer Nähe des Landhauses. Der Heuschober mit dem Heu, das nach den Feldern roch. Auf der anderen Seite, der Hühnerstall und ringsherum der Hahn und die Hühner, die den Staub aufwirbelten. Dieser unverkennbare, starke Geruch nach Land, der Duft der Wahrheit, der aus der Erde und dem Schweiß emporsteigt. Wenn wir bloß unseren Sinneswahrnehmungen mehr Aufmerksamkeit schenken würden. Geschichten aus alten Zeiten, die aber nie vollkommen vorbei sind. Jedenfalls nicht für alle.

Achtsam beobachte ich das renovierte Landgut mit dem kleinen Turm, der einst als Taubenschlag benutzt wurde. Wir befinden uns 460 über dem Meer. Die Pfirsichbäume stehen in voller Blütenpracht. Es empfängt uns Francesco Anichini, der mit seinem Vater Giuliano und seiner Mutter Anna seit vielen Jahren das Anwesen bewirtschaftet.

Zu den Zeiten der Halbpacht

Alles begann in jener Zeit, als die Welt noch nicht so war wie heute und als die Rollen klar und deutlich waren. Kapitalisten und Arbeiter. Landbesitzer und Halbpächter. Die Wirklichkeit wurde nicht mit schönen Worten verziert und es gab keinen Raum für betäubende Hypokrisie. Damals existierte der englische Begriff „Politically correct“ noch nicht und die Dinge wurden beim Namen genannt. Es hörte sich manchmal harsch an, aber gleichzeitig war es der Wahrheit näher.

immagine panoramica del casale vallone di Cecione

Auf diese Weise fing die Geschichte der Anichini an. Ein Landgut von 8 Hektar, davon 4 Hektar Weinreben, und 700 Olivenbäume. Davor, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, bewirtschafteten weit entfernte Verwandte ein kleines Grundstück in der Nähe von Siena und erhielten dafür einige Korbflaschen Olivenöl. Echte Armut. Heutzutage wäre dies völlig undenkbar. Auf Empfehlung eines guten Freundes erwarb Giuliano 1961 dieses Landgut in Panzano, das etwas grösser war als das andere, in der Hoffnung höhere Einkünfte zu erzielen. Sie waren in der Tat auch höher, doch dies änderte nichts daran, dass eine Hälfte der Ernte an den Landbesitzer ging, und von der anderen Hälfte 12 Personen leben mussten. Aber es war nun mal so. „Wir haben uns für lange Zeit abplagen müssen“, sagt er.

Großvater Francesco litt an Asthma und in den siebziger Jahren war er mit der Apotheke ein Tauschgeschäft eingegangen: die Medikamente bezahlte er mit Olivenöl. Das ist kein Märchen. Noch lange danach haben die anderen Familienmitglieder die Sprühdosen in den Feldern wiedergefunden.

Die Erlösung: niemandem mehr Rechenschaft schuldig sein

Immagine che ritrae i due amici Nicola Bernini e Francesco Anichini

Nicola Bernini und Francesco Anichini

sagoma in ferro del Gallo nero del Chianti classico ripreso in controluce

Der Gallo nero (schwarze Hahn) für Cecione

Primo piano di Francesco Anichini

Francesco Anichini

“Eines Tages, am Anfang der achtziger Jahre, ” erzählt uns Giuliano “hat der Landgutbesitzer zu mir gesagt: es ist vorbei mit der Halbpacht, ab morgen werdet ihr alle ein Gehalt beziehen. Dazu erwiderte ich: nein, ich bleibe Halbpächter“. Er wollte weiterhin auf die Jagd gehen, wann es ihm passte. Und Pilze zum richtigen Zeitpunkt sammeln und nicht zu den Uhrzeiten seines Arbeitgebers. Ein Gehalt bedeutete feste Arbeitszeiten und wenig Freiheit und Zeit für sich selbst- und das befürchtete er.

Darum lehnte er das Angebot ab. Durch die tägliche harte Arbeit in den Feldern hatte er zwar arge Kreuzschmerzen, aber auf seine Freiheit wollte er nicht verzichten. Der Landgutbesitzer wunderte sich aber stimmte zu. Und so blieb alles beim Alten.
Nur ein anderer Halbpächter in derselben Gegend hatte ähnliche Überlegungen gemacht. Die anderen verneigten sich vor dem Gehalt, das ein festes und sicheres Einkommen garantierte. Aber sie waren wie an einer Leine gebunden. Dann kam 1984 der Vorschlag seitens des Landbesitzers das Land zu erwerben. Und das war natürlich etwas ganz anderes. Es bedeutete Schweiß, Tränen und Blut und schlaflose Nächte, während viele andere Bauern zu jener Zeit das Land verließen, um in der Stadt „einfacheres Geld“ zu verdienen. Es bedeutete ein großes Risiko einzugehen, aber gleichzeitig war es auch eine faszinierende Herausforderung.

Zuerst fehlte ihm die beanspruchte Summe, um den großen Sprung zu machen, und er lehnte den Vorschlag höflich ab. Aber dann, ein Jahr später, auch dank der Arbeit im Restaurant, wo er zusammen mit seiner Frau bis zu 18 Stunden an Tag verbrachte, geling es ihm das Geld zusammenzulegen um das Landgut zu erwerben.

Eine mutige Entscheidung nach der anderen

So beginnt die jüngste Geschichte des Landguts Vallone di Cecione, auf die der Sohn Francesco besonders stolz ist. Seit 2001 arbeitet er hier ganztags.

Für viele Jahre wurde der Wein als lose Ware verkauft bis 2004 Francesco Anichini eine weitere mutige Entscheidung traf –das liegt wohl in der Familie!- und sich dazu entschloss den Wein abzufüllen. Anfangs waren es ungefähr 1.000 Flaschen im Jahr und heute sind es fast 15.000. Ein exponentielles Wachstum, das bis hin zu den Vereinigten Staaten führt. Vallone di Cecione ist seit einigen Jahren auf der Weinfachmesse Vinitaly vertreten, die jährlich in Verona stattfindet. Vor einigen Jahren war das noch unvorstellbar.

Das Landgut legt sehr viel Wert auf ökologische Landschaftspflege. Im Vergleich zu anderen, auch sehr großen Landgütern, kann man hier wahrhaftig von terroir im erweiterten Sinn sprechen: die Wechselwirkung zwischen Natur und Mensch, der seit vielen Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten, an diesem Ort tätig ist. Es gibt hier noch Trockenmauerwerke und dazwischen verflechten sich Weinreben und Olivenbäume miteinander. Neue Weinreben wurden ab 1999 angebaut und 2003 sogar ein ganzer Hektar, ohne dass die Olivenbäume angerührt wurden. Es wäre natürlich viel einfacher gewesen diese auszureißen. Solche Geschichten hört man gerne.

Vallone di Cecione: biologisch zertifiziert, aber biodynamisch in der Wirklichkeit

Seit 2015 ist der hergestellte Wein biologisch zertifiziert, aber in der Tat ist er auch biodynamisch. Allein schon die besonders sonnige Lage und die Höhe des Anbaugebiets eignen sich besonders gut für diese Art der Weinherstellung.

Außerdem werden kaum Sulfite beigefügt und nur minimale Mengen an Hefe. Der Wein gärt auf natürliche Weise. In den Feldern werden keine Dünger benutzt, sondern es wird Grünbrache eingesetzt: zwischen den Rebreihen werden Rucola, Kleeblatt und Gerste gesät, um das natürliche Gleichgewicht und einen lebendigen Boden zu bewahren. Es werden eineinhalb Kilo Kupfer pro Hektar gebraucht, was wirklich sehr gering ist, und Schwefel wird durch pflanzliche Präparate ersetzt, bestehend aus Propolis, Brennnessel und Algen.

primo piano della madre di Francesco Anichini

Mutter Anna

Genitori di Francesco Anichini

BlaBlaWine da Vallone di Cecione

primo piano del padre di Francesco Anichini

Vater Giuliano

Coniugi anichini da giovani che lavorano nei campi

blablawine con il Sig. Anichini

Die relativ hohe Lage, die südöstliche Orientierung des Weinanbaus so wie der stetige Wind verringern die Gefahr gegen das Aufkommen von Pilzkrankheiten wie Peronospora und Oidium. Viele Insekte gibt es hier nicht und die sexuelle Verwirrung trägt dazu bei sie fern zu halten.

Gebietsbezogene Rebsorten, Weine und Etiketten: ein Zeichen von Bewusstsein und Charakterstärke

Insegna lignea per la vendita diretta a Vallone di CecioneFamilie Anichini hat sich entschieden Sangiovese, Canaiolo, Malvasia und ein wenig Cabernet Sauvignon anzubauen. Anders gesagt: wir befinden uns im Chianti und nicht in Bordeaux, alles klar? Dieser Stolz und diese Charakterstärke gefallen mir. Vielleicht weil ich meinen eigenen Charakter darin erkenne. Außerdem wäre es an der Zeit, den Franzosen mal die kalte Schulter zu zeigen. Natürlich bin ich gutmütig, wenn ich solche Sachen sage, ça va sans dire. Francesco beichtet, dass es eine Jugendsünde gewesen war 2003 Cabernet Sauvignon anzubauen, als er sich vom internationalen Flair hat verleiten lassen. Es sei ihm verziehen!

Seit 2015 werden ungefähr 3.000 Flaschen purer Canaiolo hergestellt. Es handelt sich um einen frischen Wein, der vor dem San Giovese reift, selbst wenn die Gärung im Holzfass etwas beschwerlich ist. Dieser Wein ist stark an die Tradition und die eigenen Wurzeln gebunden.

e bottglie di vino della cantina Vallone di cecioneWeitere interessante Geschichten betreffen die Etiketten. Die Flasche Chianti Classico trägt ein schwarz-weißes Photo als Etikett, auf dem Giuliano und Anna glücklich zusammen abgebildet sind, als sie zum ersten Mal einen prächtig vollen Plastikbehälter an weißen und roten Trauben tragen. Eine wahre Wende, denn bis zu jenem Zeitpunkt wurden nur Körbe benutzt. Die Aufnahme ist per Zufall entstanden und schildert die Welt in jener Zeit, als Mensch und Natur eng miteinander verbunden waren und alles wesentlich unkomplizierter und der Wahrheit näher war im Vergleich zu heute.

Das Etikett vom Canaiolo ist ein Photo von 1984, auf dem ein Teil der Familie Anichini abgebildet ist: Giuliano und seine Eltern, Francesco als Kind und der Nachbar, der einer anderen Familie Halbpächter angehörte. Francesco erinnert sich heute noch an den „deutschen Herrn“, der sie alle in Pose gestellt hat, und auch an die Stimmung und Aufregung, die diese ganze Inszenierung in ihn ausgelöst hatten. Das Etikett vom Rosé ist seiner Tochter Allegra gewidmet.

Am Ende unserer Unterhaltung probieren wir Vallone di Cecione classico 2014 und Vallone di Cecione Canaiolo 2015. Wirklich sehr angenehme Weine. Probieren, um es zu glauben.

Zu Mittag beim Kultmetzger Cecchini

Zum Mittagessen gehen wir zum legendären Dario Cecchini, der eigentlich keine weiteren Vorstellungen benötigt, da er in der ganzen Welt für seine hervorragende „Bistecca alla fiorentina“ berühmt ist. Ein interessantes Detail: Cecchini ist der Onkel von Nicola Bernini (mütterlicherseits). Man weiß schon, dass in kleinen Dörfern alle irgendwie verwandt sind… Entschuldigen Sie bitte diese Banalität!

Elisa und ich essen genussvoll einen „Mac Dario“ Hamburger. Raf und und Nicola entscheiden sich für den „Super Dario“, der einige Leckerbissen mehr enthält. Dazu frisches Gemüse als Beilage mit extra-vergine Olivenöl. Wir sind rundum zufrieden. Und zum Schluss, völlig unerwartet, eine der feinsten Torten, die ich je gegessen habe. Wer weiß welche Zutaten benutzt wurden- ganz sicher Butter und Eier wegen der gelben Farbe. Jedenfalls ist es ein Festspiel für den Gaumen! Wer dieses Genusserlebnis auch erfahren möchte braucht einfach nur nach der „besten Torte der Welt“ zu fragen. Da liegen Sie richtig.

pointingHand_50x30Auf der anderen Seite des Hügels: das Landgut Casaloste

Insegna della Cantina Casaloste di PanzanoMit dem Auto erreichen wir schon in wenigen Minuten das Landgut Casaloste. Wir werden von zwei weißen, reinrassigen Hirtenhunden (pastori maremmani) begrüßt, Vater und Sohn. Der Vater, ist riesengroß und heißt Rocco aus leicht abzuleitenden Gründen, bezugnehmend auf einen „unanständigen“ Star. Der Sohn, heißt Gasgas wie die Maus in Aschenputtel. Dann begegnen wir den Einwohnern, oder besser einem der Einwohner, Giovanni d’Orsi, dem Landgutsbesitzer.

Wir sehen uns herum und unser Blick schweift über das gesamte Greve-Tal: ein wunderschönes Panorama. Der ehemalige Heuschober wird heute als Barriquekeller und Probiersaal benutzt. Das Landhaus ist von der Familie d‘Orsi bewohnt und ist auf mehreren Ebenen gebaut, wo sich auch die Ferienwohnungen befinden. Giovanni stammt ursprünglich aus Neapel und er berichtet uns als aller erstes über das Problem mit den Wildtieren.

Wildtiere unter den Menschen

Wildschweine sind hier einheimisch, aber Damhirsche, Rehe und Wölfe nicht. In letzter Zeit kommen sie immer öfter und zahlreicher ins Tal, da sie keine natürlichen Feinde haben. Niemand bekämpft sie, weil sie unter Naturschutz stehen (Gott sei Dank, denke ich!) und es ist erlaubt, nur eine beschränkte Anzahl zu töten. Sie sind gierig nach Sprossen und Trauben. Manchmal ist es möglich ganz nahe an sie zu treten, so dass man sie fast berühren kann, was vorher undenkbar war. Sie haben sich an menschliche Bedürfnisse angepasst und haben es gelernt ohne Angst mit dem Menschen zusammenzuleben. Dieselbe Angst, die sie vorher fern gehalten hat.

Aus diesem Grund musste der gesamte Landbesitz eingezäunt werden. Die Wildtiere sind nämlich nur solange Freunde des Menschen solange sie die Ernte nicht gefährden (!). Es haben sich auch grausame Ereignisse erwiesen, wie zum Beispiel Hirsche, die mit ihren Geweihen im Zaun festgesteckt geblieben sind und ihr halber Rumpf von den Wölfen weggefressen wurde. Auch die Autounfälle, manchmal sogar tödlich, haben mit der steigenden Anzahl an Wildtieren zugenommen.

“Die Bevölkerung ist leider nicht richtig aufgeklärt“ sagt Giovanni und teilt uns eine Provokation mit: „Ich liebe Tiere. Aber es ist einfach Tierfreund aus der Ferne zu sein, wenn man keine Probleme mit ihnen hat. Stellen wir uns vor man ließe ein dutzend Wildschweine frei, in mitten von Florenz, auf Piazza della Signoria.. Dann würde die Sache ganz anders aussehen. Die Leute würden verstehen, wie schädlich und gefährlich Wildtiere sein können“. Lautes Gelächter allerseits und jeder von uns denkt sich seinen eigenen Teil dazu.

primo piano di Giovanni d´Orsi, proprietario della cantina Casaloste

Giovanni D´Orsi

Due cani di razza maremmana Rocco e Gasgas

Rocco und Gasgas, Vater und Sohn

Team di BlaBlawine con Giovanni D´Orsi

BlaBlawine mit Giovanni D´Orsi

Der Ursprung von Casaloste

Casaloste bedeutet nicht “Gastwirtschaft“, sondern „das Haus der Feindschaft“ und ursprünglich war es ein Ort an dem ein Zoll (gabelle) gezahlt wurde (so ähnlich wie der „fiorino“, den Troisi in einem bekannten Film zahlen musste. Kennt ihr den Film „Non ci resta che piangere“?).

Ursprünglich, im 13. Jahrhundert, war Casaloste ein Turm, der mit der Zeit in ein Landgut mit mehreren Ebenen umgestaltet und je nach Bedarf vergrößert wurde, bis hin zum 19. Jahrhundert. Ganz oben kann man noch den Taubenschlag erkennen, der dazu diente sich mit den Soldaten in Florenz zu verständigen und sie vor Attacken aus Siena zu warnen.

Giovanni und Emilia d’Orsi, eingebürgerte Toskaner mit neapolitanischem Ursprung. Aber nur bis zu einem bestimmten Punkt

Giovanni lebt mit seiner Frau Emilia seit 24 Jahren in der Toskana, seitdem er das Grundstück von 10 Hektar in Casaloste erworben hat. Für denselben Preis hätte er in seiner ursprünglichen Region (Campania) ein Grundstück von 200 Hektar kaufen können. Aber er wollte unbedingt in eine Region mit starker Berufung zum Weinanbau. Der Piemont befindet sich jenseits der gotischen Linie und hat ihn nicht gereizt wegen des Nebels im Winter. Dann kam nur noch eine andere italienische Region in Frage: die Toskana. Hier wohnte auch schon ein Freund und Kollege von der Universität in Neapel, der mittlerweile schon sein eigenes Landgut in Castellina in Chianti in die Wege geleitet hatte. „Wenn alles schief laufen sollte, packen wir die Koffer und kehren nach Hause zurück“. Doch dazu es kam nicht. Sie haben lange gesucht, aber dann haben sie doch das Passende gefunden. Und so zogen sie in die Toskana.

panoramica sui vigneti di Casaloste

Neapel liebt Giovanni natürlich nach wie vor, dennoch kehrt er dort so gut wie nie zurück. Außer es gibt einen besonderen Grund wie zum Beispiel die Geburt seiner drei Kinder, die alle in Neapel auf die Welt gekommen sind. Maria Giovanna, die älteste Tochter, ist 25 und lebt in London; sie ist Sommelier und Marketing-Experte. Der zweitgeborene, Vincenzo, ist 22 und besucht die Fakultät für Ingenieurwesen (mit Spezialisierung auf Biomedizin) an der Universität in Pisa. Federico ist der jüngste und studiert Betriebswirtschaft an der Universität in Venedig.

Von den fünf Familienmitgliedern wohnen jetzt nur noch Giovanni und seine Frau auf dem Landgut. Aber auch Emilia ist viel unterwegs auf Reisen, um den Wein zu vermarkten. Sie besitzt, so ähnlich wie unsere Elisa, die Begabung 4 Sprachen fließend zu sprechen: Französisch, Englisch, Spanisch und Italienisch, natürlich. So hat ein Mann allein die Führung übernommen. Giovanni, die Hunde, die Reben.. und Panzano, wo er sich zu 100% adoptiert fühlt. Panzano hat sich wahrhaftig zu einem internationalen Dorf entwickelt und ist auf jeden Fall aufgeschlossener im Vergleich zu der provinziellen Denkweise in Florenz. Viele würden sofort alles stehen und liegen lassen, um in dieses Paradies leben zu kommen.

Casoloste, ein ökologisch nachhaltiges Bio-Landgut

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Casaloste interno cantina 2

Interno della Cantina Casaloste 1

Casaloste interno Cantina 3

Das Grundstück ist fast 20 Hektar groß, davon 10 Hektar Weinberge und 5 Hektar sind vermietet. Es werden ca. 80.000 Flaschen pro Jahr hergestellt, ungefähr eine Flasche für jede Rebe. Die Produktion wird fast zu 100% in allen Kontinenten exportiert. Im Vergleich zu Italien wird im Ausland den kleinen Weinherstellern größeren Wert anerkannt. Das hören wir nicht gerne.

Der Weinbau ist biologisch seitdem Giovanni das Landgut übernommen hat. Es ist auch biologisch zertifiziert. Außerdem ist es ihm gelungen auch kein Heizöl mehr zu benutzen seitdem 80 Solarzellen am Eingang des Grundstücks errichtet wurden. Diese produzieren ca. 19,9 kWh, aber auch nicht mehr, weil der Stromtausch gesetzmäßig vor Ort stattfinden muss und gewisse Obergrenzen einzuhalten sind, damit der Stromerzeuger nicht als Stromanbieter anerkannt wird. Jährlich werden 26-27.000 kWh produziert, die dem Energiebedarf von Casolste völlig ausreichen.

Was die Heizung angeht, ist vor zwei Jahren das Flüssiggas (LPG) durch einen Bio-Heizkessel ersetzt worden, der mit verschiedenen Brennstoffen betrieben wird wie z. B. Trester (fester Rückstand aus Kernen, Schalen und Fruchtfleischresten), der nach der Pressung der Oliven übrig bleibt.

Weine und Weinreben, die an die Familie erinnern

Fattoria Casaloste, fronte della CantinaDie angebauten Rebsorten sind zu 80% Sangiovese und die übrigen 20% Merlot und Ancellotta, eine Variante des Colorino, die vor allem in regnerischen Jahren eingesetzt wird, um dem Wein eine intensivere Farbe zu geben.

Die fünf Weine von Casaloste

Der erste nennt sich Rosso Maniero, IGT, ein angenehm frischer Wein, der zu 65-70% aus Sangiovese erzeugt wird und der Rest aus den übrigen Rebsorten des Hauses: Merlot, Ancellotta und Canaiolo.

Dann werden drei Chianti classico hergestellt: Base, Riserva und Gran selezione.

Der erste, Base, besteht aus 90% Sangiovese und 10% Merlot, aber es ist kein Blend (der Verschnitt von Weinen aus mehreren Rebsorten, die zusammen vinifiziert werden). Zuerst finden die Ernte der Trauben und das Abstechen vom Merlot statt. Dann werden auf die frischen Hülsen die Sangiovese-Trauben geschüttet damit die Gärung entstehen kann. Die Beschreibung kann sich etwas kompliziert anhören, aber in Wirklichkeit handelt es sich um eine alt-toskanische Verfahrensweise. Auf diese Weise ist die Gärung sanft und progressiv und es werden keine hohen Temperaturen erreicht, so wie es für Sangiovese normalerweise üblich ist. Gleichzeitig bleiben die leichtflüchtigen aromatischen Substanzen erhalten, so dass die Erzeugnisse bei weitem duftiger sind.

Die Riserva besteht zu 95% aus Sangiovese mit leichter Kontaminierung von Merlot, da er in den Barriques ausbaut, wo auch der Inversus reift.

Die Gran Selezione Don Vincenzo ist Giovanni’s Vater gewidmet; es ist ein Cru, der zu 100% aus Sangiovese gewonnen wird. Dieser Wein ist 1995 entstanden, ein Jahr vor der Erscheinung einer neuen Regelung für die Chianti Produktion (1996), die es ermöglicht 100% Sangiovese Trauben zu benutzen ohne diese unbedingt mit weißen Rebsorten mischen zu müssen.

Casaloste Rosso Maniero

Casaloste Chianti Classico

Casaloste Chianti Classico Riserva

Inversus Rosso IGT

Casaloste Don Vincenzo

Der letzte heißt Inversus zu Ehren von Federico, dem zweitgeborenen Sohn, der mit einer Lateralitätsanomalie zur Welt gekommen ist: situs viscerum inversus ist eine seltene, an sich nicht krankhafte Besonderheit der Anatomie, bei der sich Organe spiegelverkehrt auf der anderen Seite des Körpers befinden. Die Häufigkeit dieses Syndroms wird auf 1 zu 100.000 Neugeborene geschätzt. Der Vater möchte, dass diese Besonderheit so viel wie möglich bekannt gegeben wird, auch um Komplikationen wie z.B. bei einem Unfall zu vermeiden. Der Wein Inversus ist der Gegenpol zu einem Chianti Classico und besteht zu 90% aus Merlot und 10% Sangiovese.

Ende der Weingutbesichtigungen

Raf und Elisa fahren fort, während Nicola und ich den schönen Probiersaal und Barrique-Keller besichtigen. Wir probieren den hervorragenden Inversus. Dann verabschieden wir uns auch von Giovanni mit dem Gefühl noch einen wunderschönen Tag verbracht zu haben. „Blablawine ist wirklich klasse“, denke ich, während ich nach Hause fahre. Ich glaube viele würden uns gerne begleiten und viele fragen auch schon, ob sie sich uns anschließen können. Alle können leider nicht mit uns mitkommen. Doch anhand unserer Geschichten könntet ihr euch eigentlich auch allein auf den Weg machen, oder? Worauf wartet ihr?